PROLLblog


10 Tipps für schlanke Kinder
3. Oktober 2007, 18:26
Gespeichert unter: Bilder, Satire

Der geistig-moralische Nachfolger des Völkischen Beobachters, die Bildzeitung, kümmert sich ja rührend um die Volksgesundheit:

Bildzeitung - Ratgeber Familie: 10 Tipps, damit unsere Kinder schlank bleiben

Leider sind die dort gegebenen Tipps im Rahmen des normalen Nutzlebens nicht durchführbar. Zu „festen Ritualen“ hat der nicht Zeit, der zu Arbeit hetzen muss, das „gemeinsame Essen“ scheitert an der Ganztagsbeschulung oder an der Erwerbstätigkeit beider Eltern. Von „Tischsitten“ kann bei laufender Glotze gar keine Rede mehr sein. Von so ökotuckigen Ideen wie „Auto stehen lassen“ wollen wir mal ganz absehen, wie soll man denn so vom Bett zum Kühlschrank kommen.

Deshalb macht der/die PROLLblog(in), das Fachblatt für abgemagertes Leben, hier 10 leicht umsetzbare Vorschläge, wie man seine Kinder immer schön schlank hält. Wer von der Gesundheitsreform namens „Hartz IV“ bereits betroffen ist, setzt viele dieser Tipps schon von ganz allein um.

  1. Arbeitslos werden
    Wo Hartz IV kein Geld fürs Essen übrig lässt, da gibt es auch keine Probleme mit Übergewicht. Positiver Nebeneffekt: Der Kühlschrank kann ausgeschaltet werden. Das Klima wird es danken.
  2. Arbeit macht schlank
    Ein Zurück zur Kinderarbeit führt nicht nur zur verbesserten Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands im globalisierten Markt, sondern ist auch gut für die schlanke Linie der Kinder. Davon profitieren wir alle.
  3. Kein Essen zur Schule
    Wie soll der Kopf Wissen aufnehmen, wenn der Bauch verdauen muss? Es ist ein überflüssiger und verschwenderischer Luxus, satte Kinder in der Schule sitzen zu haben.
  4. Fade, eklige Speisen
    Nicht die Nudeln für 40 Cent das Pfund machen dick, sondern die leckere Soße. Einfach die Soße weglassen! Wenn die Lust am Geschmack fehlt, isst keiner mehr als nötig. Und davon wird niemand dick.
  5. Ablenkung
    Um diesen lästigen Appetit der Kinder unten zu halten, einfach die Kinder ablenken. Aber nicht mit der Glotze, da mümmelt mensch automatisch. Besser sind sinnvolle Tätigkeiten wie Reklame austragen lassen. Das bringt auch etwas Geld in die Familienkasse. Und wenn die Blagen abends so müde sind, dass sie gar nicht ans Essen denken können, hilft es der schlanken Linie noch mehr.
  6. Verzicht auf Essensvorräte
    Wenn Essbares rumsteht, lädt es zum Essen ein. Das muss nicht sein. Was die Kinder nicht finden, das können sie nicht essen.
  7. Gezielte Entsozialisierung
    Je weniger ihre Kinder irgendwelche Freunde besuchen können, desto weniger kommen sie dazu, sich etwas Essbares zu schnorren. Zum Teil wird der wünschenswerte soziale Zerfall ja durch Hartz IV ausgelöst, aber auch sie müssen mit gezielten Verboten nachhelfen.
  8. Kein Taschengeld
    Wo die Panzen kein Geld haben, können sie sich auch nichts zum Essen kaufen. Positiver Nebeneffekt: Sie haben eine Kiste Bier im Monat mehr.
  9. Gewalt
    Wenn ihr Kind Hunger hat, scheuern sie ihm eine. Das hilft ihnen auch, soziale Gewalt besser zu ertragen.
  10. Alle diese Tipps kombinieren
    Sie werden sehen, dass ihre Kinder schon nach drei Monaten spürbar schlanker sind. Die denken gar nicht mehr ans Essen. Das ist gut für die Gesundheit. Und schöner.

Das PROLLblog hofft, mit diesen einfachen Tipps einen Beitrag zur Verbesserung der Gesundheit getan zu haben.


4 Kommentare bis jetzt
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Ich hätte mir etwas mehr Service gewünscht. An wen kann ich mich wenden, wenn das Jugendamt wegen Kinderarbeit und Verwahrlosung mit einem richterlichen Beschluß auftaucht? Denn das ist ein großes Problem: wirklich schlanke Kinder geraten in die Fürsorgefalle, werden in Heimen dickgefüttert und im Ernstfall sogar an Pflegefamilienmastbetriebe übergeben. Und so werden um rank-schlank-windhundflinke Kids bemühte Eltern für ihre gute Absicht letztlich noch bestraft!

Kommentar von Witwentröster

Der erste Punkt stimmt gar nicht. Wenn man arm ist, kauft man sich billiges Essen, das viel mehr fett enthaelt. Von 2,50€ muss man dann halt leben, dann nimmt man das, was am meisten saettigt->das mit dem meisten Fett->man wird dicker ;)

Kommentar von Moncho

So so, die Bild-Zeitung hat also Bilder und ist blöd.

Im Vertrauen: Das weiß inzwischen jeder. Darum prügelt auch jeder, der als komisch gelten will und dem sonst nichts einfällt, auf die Bild-Zeitung ein. Was ich damit sagen will, ist: Es ist eine sehr preisgünstige und risikofreie Art des Dagegenseins, auf das Arsch- und Tittenblatt für das sabbernde Spießerherz (wie Du an anderer Stelle schreibst) einzukloppen. Damit liegt man immer richtig.

Interessanter wäre es, wenn Du auf eine Zeitung eindreschen würdest, die vortäuscht, viel unvoreingenommener, toleranter, sachlicher usw. zu sein, diesen Anspruch aber letztendlich nicht erfüllt. Die TAZ böte sich da an.

Und was das sabbernde Spießerherz betrifft: Ein Spießer ist meines Wissens nach jemand, der engstirnig und intolerant ist. Also beispielsweise jemand, der sich an den vielen Die-Bildzeitung-ist-Scheiße-Artikeln ergötzt und glaubt, er stehe moralisch weit über dem gemeinen Bildzeitungsleser.

Da nich’ für.

Kommentar von Theo

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